Ob in einer Kirche, einem Gericht oder beim Aufschlagen von 2. Mose 20 - die Zehn Gebote begegnen uns überall. Sie sind wohl die berühmteste Gesetzessammlung der Menschheitsgeschichte. Doch was bedeuten sie wirklich? Wo kommen sie her? Und gelten sie heute noch für dich?
Dieser Leitfaden beantwortet all das: klar, ehrlich und ohne Vorkenntnisse in der Theologie vorauszusetzen. Ob du neu im christlichen Glauben bist, deinen Glauben neu entdeckst oder einfach neugierig bist - hier bist du genau richtig.
Die Zehn Gebote, auf Hebräisch Aseret HaDibrot ("die zehn Worte") und auf Griechisch Dekalogos (δεκάλογος), sind ein Bundesgesetz, das Gott Mose am Berg Sinai gegeben hat. Sie stehen vollständig in 2. Mose 20,1-17 (Lutherbibel 2017) und werden in 5. Mose 5,6-21 (Lutherbibel 2017) wiederholt. Sie bilden den moralischen Kern des Mosaischen Gesetzes, des Bundesrahmens, den Gott mit Israel nach dem Auszug aus Ägypten aufgerichtet hat.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Der Dekalog steht in 2. Mose 20 und 5. Mose 5 und bildet das Herzstück des Bundes Gottes mit Israel am Sinai.
- Die Gebote gliedern sich in zwei Gruppen: Die ersten vier regeln unsere Beziehung zu Gott, die letzten sechs unsere Beziehungen zu anderen Menschen.
- Katholische, protestantische und orthodoxe Traditionen zählen die Gebote unterschiedlich - gleicher Text, verschiedene Einteilung.
- Das Mosaische Gesetz wurde speziell für Israel als Bundesgemeinschaft gegeben, nicht als universaler Moralkodex für alle Völker.
- Die meisten christlichen Traditionen unterscheiden moralisches, zeremoniales und bürgerliches Gesetz. Das moralische Gesetz (einschließlich des Dekalogs) gilt als dauerhaft verbindlich; das zeremoniale und bürgerliche Gesetz ist in Christus erfüllt.
- Jesus fasste alle zehn in zwei zusammen: Gott lieben und den Nächsten lieben (Matthäus 22,37-40, Lutherbibel 2017).
- Die Zehn Gebote sind kein Heilsweg - sie offenbaren Gottes Charakter und zeigen uns unsere Notwendigkeit der Gnade.
Woher stammen die Zehn Gebote?
Die Zehn Gebote wurden Mose von Gott direkt auf dem Berg Sinai gegeben, etwa 1.400 Jahre vor Christus - obwohl Gelehrte über das genaue Datum streiten. Laut 2. Mose 19-20 führte Mose die Israeliten nach ihrer Befreiung aus Ägypten zum Fuß des Sinai. Der Berg war von Rauch und Feuer bedeckt. Gott sprach vom Gipfel, und das Volk erzitterte.
Eine Pew-Research-Umfrage von 2019 zum religiösen Wissen in den USA belegte weit verbreitete Bibelunkenntnis unter Amerikanern, und eine Gallup-Umfrage von 2005 zeigte, dass 79 % der Amerikaner dafür sind, die Zehn Gebote in Regierungsgebäuden zu belassen - obwohl die wenigsten alle zehn benennen können. Genau diese Lücke schließt dieser Artikel.
Zitat-Kapsel: Der Dekalog liegt in zwei leicht unterschiedlichen Fassungen vor - 2. Mose 20,1-17 und 5. Mose 5,6-21 (Lutherbibel 2017). Die Version in 5. Mose ist Moses Wiedererzählung für eine neue Generation vor dem Einzug ins gelobte Land. Die Unterschiede sind gering (die Sabbatbegründung variiert), aber beide Texte genießen volle Schriftautorität in jüdischer und christlicher Tradition.
Gott schrieb den Bundesvertrag auf zwei Steintafeln - luchot ha-brit ("Bundestafeln") - mit seinem eigenen Finger (2. Mose 31,18, Lutherbibel 2017). Diese Tafeln wurden in der Bundeslade aufbewahrt. Die Gebote waren keine zehn Vorschläge. Sie waren die Grundverfassung der Identität Israels als Bundesvolk Gottes.
Was bedeuten die ersten vier Gebote?
Die ersten vier Gebote des Dekalogs legen fest, wie Israel zu Gott stehen soll. Sie begründen ausschließliche Treue, rechte Anbetung, Ehrerbietung gegenüber Gottes Namen und rhythmische Ruhe.
1. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben
"Du sollst keine anderen Götter neben mir haben." (2. Mose 20,3, Lutherbibel 2017)
Dieses grundlegende Gebot rief Israel zur ausschließlichen Treue auf. Im Alten Orient verehrten Völker regelmäßig mehrere Götter. Gottes Ruf an Israel war radikal: Es gibt nur einen Gott, und die Treue ist ungeteilt. Theologen nennen dies Monotheismus, der zu seiner Zeit kulturrevolutionär war. Oxford Biblical Studies Online stellt fest, dass diese Bundesforderung Israel von allen umliegenden Kulturen unterschied.
2. Du sollst dir kein Bildnis machen
"Du sollst dir kein Bildnis machen noch irgendein Gleichnis, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden." (2. Mose 20,4, Lutherbibel 2017)
Dieses Gebot verbietet die Herstellung und Anbetung physischer Darstellungen Gottes - oder anderer Götter. Es schützt die Transzendenz Gottes: Er kann nicht auf ein von Menschenhand geschaffenes Objekt reduziert werden. Protestantische und orthodoxe Traditionen zählen dies als zweites Gebot, während katholische und lutherische Traditionen es mit dem ersten zusammenfassen (siehe den Abschnitt zur Nummerierung weiter unten).
3. Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen
"Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht missbrauchen." (2. Mose 20,7, Lutherbibel 2017)
Dies geht über das bloße Fluchen hinaus. Den Namen Gottes missbrauchen bedeutet, ihn falsch, leichtfertig oder zur Manipulation zu verwenden - göttliche Autorität für selbstsüchtige oder unehrliche Zwecke einzusetzen. Das hebräische shav bedeutet "Leere" oder "Nichtigkeit". Es ist ein Aufruf zu Integrität in Rede und Verpflichtung.
4. Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligst
"Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligst." (2. Mose 20,8, Lutherbibel 2017)
Der Sabbat (vom Hebräischen shabbat, "ruhen") war ein wöchentlicher Ruhetag - der siebte Tag, Samstag im jüdischen Kalender. Er spiegelte Gottes Ruhe nach der Schöpfung wider (1. Mose 2,2-3, Lutherbibel 2017). Die meisten christlichen Traditionen verlegten ihren Hauptgottesdiensttag auf den Sonntag (den Tag der Auferstehung), während Siebenten-Tags-Adventisten die Samstagsbeobachtung beibehalten. Das Prinzip von Ruhe und Gottesdienst an einem Tag in sieben bleibt weithin anerkannt.
Was bedeuten die letzten sechs Gebote?
Die letzten sechs Gebote des Dekalogs regeln die menschlichen Beziehungen. Jesus zitierte aus beiden Gruppen, als er erklärte: "Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen... und deinen Nächsten wie dich selbst. An diesen zwei Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten" (Matthäus 22,37-40, Lutherbibel 2017).
5. Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren
"Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren." (2. Mose 20,12, Lutherbibel 2017)
Dies ist das erste Gebot mit einer Verheißung: "auf dass du lange lebst in dem Lande, das dir der HERR, dein Gott, geben wird." Die Ehrung der Eltern erhält die gesellschaftliche Ordnung der Familie als Grundeinheit. Der Apostel Paulus bekräftigt dies in Epheser 6,1-3 (Lutherbibel 2017) und weitet die Anwendung auf christliche Haushalte aus.
6. Du sollst nicht töten
"Du sollst nicht töten." (2. Mose 20,13, Lutherbibel 2017)
Das hebräische Verb hier ist ratsach - üblicherweise mit "morden" (widerrechtliches Töten) übersetzt, nicht mit "töten" (was Krieg oder Todesstrafe einschließen könnte). Das Alte Testament selbst unterscheidet zwischen Töten im Kampf und Mord. Jesus vertiefte dies in Matthäus 5,21-22 (Lutherbibel 2017): Sogar Zorn und Verachtung gegenüber einem Mitmenschen verletzt den Geist dieses Gebots.
7. Du sollst nicht ehebrechen
"Du sollst nicht ehebrechen." (2. Mose 20,14, Lutherbibel 2017)
Dies schützt den Bund der Ehe. Ehebruch bezeichnet sexuelle Beziehungen zwischen einem verheirateten Menschen und jemand anderem als dem Ehepartner. Jesus weitete es nach innen aus: "Wer eine Frau ansieht, sie zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen" (Matthäus 5,28, Lutherbibel 2017). Treue in festen Beziehungen wird in allen großen christlichen Traditionen hochgehalten.
8. Du sollst nicht stehlen
"Du sollst nicht stehlen." (2. Mose 20,15, Lutherbibel 2017)
Stehlen verletzt sowohl Eigentum als auch die Würde anderer. Es umfasst nicht nur das Wegnehmen physischer Gegenstände, sondern - wie spätere biblische Ethik lehrt - auch das Ausbeuten von Arbeitern, das Betrügen von Geschäftspartnern und das Manipulieren von Märkten (3. Mose 19,13; Jakobus 5,4, Lutherbibel 2017). Die rechte Beziehung zum Nächsten erfordert, das ihm Gehörende zu respektieren.
9. Du sollst kein falsches Zeugnis geben wider deinen Nächsten
"Du sollst kein falsches Zeugnis geben wider deinen Nächsten." (2. Mose 20,16, Lutherbibel 2017)
Dieses Gebot hat seine Wurzeln im Rechtskontext: Falsches Zeugnis vor Gericht konnte jemanden Leben oder Eigentum kosten. Sein Prinzip erstreckt sich aber auf alle Formen der Unehrlichkeit - Klatsch, Verleumdung, Täuschung und falsche Darstellung. Wahrhaftigkeit ist ein Eckpfeiler des gerechten Gemeinschaftslebens.
10. Du sollst nicht begehren
"Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus." (2. Mose 20,17, Lutherbibel 2017)
Das zehnte Gebot ist einzigartig: Es zielt nicht auf eine Handlung, sondern auf ein Verlangen. Begehren (Hebräisch chamad, "intensiv begehren") bedeutet, nach dem zu gieren, was einem anderen gehört - sein Haus, seine Frau, seine Knechte oder sein Eigentum. Paulus nennt Habgier eine Form von Götzendienst (Kolosser 3,5, Lutherbibel 2017). Dieses Gebot zeigt, dass Gottes Gesetz nicht nur das Verhalten, sondern das Herz erreicht.
Wie werden die Zehn Gebote gezählt? Katholisch vs. protestantisch vs. orthodox
Eine der häufigsten Verwirrungsquellen für Einsteiger: Der Dekalog wird in verschiedenen christlichen (und jüdischen) Traditionen unterschiedlich gezählt. Der zugrunde liegende Bibeltext ist identisch - nur die Einteilung unterscheidet sich.
| Nr. | Jüdisch & protestantisch (reformiert) | Katholisch & lutherisch | Östlich-orthodox |
|---|---|---|---|
| 1 | Keine anderen Götter | Keine anderen Götter + Keine Bilder | Keine anderen Götter |
| 2 | Keine Bilder | Gottes Namen ehren | Keine Bilder |
| 3 | Gottes Namen ehren | Sabbat halten | Gottes Namen ehren |
| 4 | Sabbat halten | Vater und Mutter ehren | Sabbat halten |
| 5 | Vater und Mutter ehren | Nicht töten | Vater und Mutter ehren |
| 6 | Nicht töten | Nicht ehebrechen | Nicht töten |
| 7 | Nicht ehebrechen | Nicht stehlen | Nicht ehebrechen |
| 8 | Nicht stehlen | Kein falsches Zeugnis | Nicht stehlen |
| 9 | Kein falsches Zeugnis | Frau des Nächsten nicht begehren | Kein falsches Zeugnis |
| 10 | Nicht begehren | Gut des Nächsten nicht begehren | Nicht begehren |
Zitat-Kapsel: Die katholische und lutherische Tradition (nach Augustinus) fasst die ersten beiden Gebote über Gott zusammen und teilt das letzte Gebot über das Begehren in zwei. Die reformierte protestantische Tradition (nach Origenes und der östlichen Kirche) behält das Bilderverbot als eigenständiges Gebot. Beide Systeme kommen mit demselben Text auf die Zahl zehn. (Quelle: Oxford Biblical Studies Online, "Dekalog")
Die Unterschiede berühren den Inhalt der moralischen Lehre nicht - nur wie Theologen sie über die Jahrhunderte geordnet und gezählt haben. Katholische vs. protestantische vs. orthodoxe Bibeln
Das Mosaische Gesetz und der Neue Bund: Gelten die Gebote heute noch?
Dies ist die theologisch komplexeste Frage für Einsteiger - und die, über die Christen am meisten diskutieren. Hier ist ein ehrlicher Überblick über die wichtigsten Positionen.
Der Mosaische Bund galt speziell für Israel. Der Dekalog wurde als Teil von Gottes Bund mit Israel am Sinai gegeben. 5. Mose 5,2-3 (Lutherbibel 2017) ist eindeutig: "Der HERR, unser Gott, hat einen Bund mit uns geschlossen am Horeb. Nicht mit unsern Vätern hat der HERR diesen Bund geschlossen, sondern mit uns, die wir heute hier sind, wir alle, die wir noch leben."
Die traditionelle dreifache Unterscheidung. Die meisten protestantischen und katholischen Theologen teilen das Mosaische Gesetz in drei Kategorien:
- Moralisches Gesetz - Gebote, die in Gottes Charakter verwurzelt sind und universale Ethik widerspiegeln (z.B. nicht töten, nicht stehlen). Diese gelten als dauerhaft verbindlich.
- Zeremonialgesetz - Regeln über Gottesdienst, Opfer und Reinheit, die auf Christus vorauswiesen (z.B. Tieropfer, Speisegesetze). Diese sind in Jesus erfüllt und nicht mehr verpflichtend.
- Bürgerliches Gesetz - Gesetze, die Israel als theokratische Nation regierten (z.B. Strafen für Verbrechen). Diese galten für die spezifische Regierung des alten Israels und lassen sich nicht direkt auf andere Gesellschaften übertragen.
In diesem Rahmen bleibt der Dekalog (als moralisches Gesetz) verbindlich, weil er Gottes unveränderlichen Charakter widerspiegelt - nicht weil Israels Bund noch in Kraft ist.
Die Perspektive des Neuen Bundes. Der Verfasser des Hebräerbriefs nennt den Mosaischen Bund angesichts Christi "veraltet" (Hebräer 8,13, Lutherbibel 2017). Paulus schreibt, dass Christen "nicht unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade" stehen (Römer 6,14, Lutherbibel 2017). Das bedeutet nicht, dass der moralische Inhalt der Gebote aufgehoben ist - Jesus intensivierte ihn, anstatt ihn abzuschaffen (Matthäus 5,17-20, Lutherbibel 2017). Es bedeutet, dass sich die rechtliche Grundlage der Beziehung zu Gott verändert hat: vom Gesetzeshalten zur Gnade durch den Glauben. Den Neuen Bund verstehen
Zitat-Kapsel: Der Katechismus der Katholischen Kirche (Absatz 2072) lehrt, dass die Zehn Gebote "die grundlegenden Pflichten des Menschen gegenüber Gott und seinem Nächsten ausdrücken." Das Westminster-Glaubensbekenntnis (1647), Grundlage des reformierten Protestantismus, bekräftigt ebenso das moralische Gesetz als dauerhaft verbindlich für alle Menschen - einschließlich der Gläubigen.
Was lehrte Jesus über die Zehn Gebote?
Jesus verwarf den Dekalog nicht. Er radikalisierte ihn.
In der Bergpredigt (Matthäus 5-7) sprach Jesus direkt über mehrere Gebote. Er sagte, das sechste Gebot (nicht töten) werde nicht nur durch Töten verletzt, sondern durch unkontrollierten Zorn. Das siebte (nicht ehebrechen) wird durch lustvolles Anschauen gebrochen. Das neunte (kein falsches Zeugnis) wird durch ein Leben ersetzt, das so konsequent wahrhaftig ist, dass Eide überflüssig werden.
Seine Zusammenfassung war in ihrer Schlichtheit atemberaubend: "Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen und von ganzer Seele und von ganzem Gemüt. Dies ist das höchste und größte Gebot. Das andere aber ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. An diesen zwei Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten" (Matthäus 22,37-40, Lutherbibel 2017).
Diese Bundesgebote sind nicht die Decke des moralischen Lebens - sie sind der Boden. Paulus macht denselben Punkt in Römer 13,9-10 (Lutherbibel 2017): "Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung."
Wie kannst du die Zehn Gebote heute in deinem Leben anwenden?
Der Dekalog ist keine Checkliste, die du abhaken musst, um Gottes Wohlgefallen zu verdienen. Alle großen christlichen Traditionen stimmen diesem Punkt zu. Aber diese Bundesgebote sind ein Geschenk - ein Spiegel, der zeigt, wo wir scheitern und wie Gottes Charakter aussieht.
So kannst du praktisch mit ihnen umgehen:
Nutze sie als Diagnose. Lies jedes Gebot langsam. Frage dich ehrlich: Wo habe ich dagegen verstoßen - in der Tat, in der Einstellung, im Motiv? Diese Praxis, in der katholischen Tradition Gewissenserforschung genannt und auch im reformierten Frömmigkeitsleben verbreitet, dient nicht der Schuldproduktion. Sie dient der Ehrlichkeit vor Gott.
Lass sie deine Vorstellungswelt formen. Der Dekalog beschreibt eine Welt ohne Götzendienst, Unehrlichkeit, Ausbeutung und zerbrochene Beziehungen. Es sind nicht nur Verbote - sie beschreiben die positive Gestalt einer gerechten Gemeinschaft. Eine Welt, in der niemand stiehlt, niemand lügt, niemand begehrt, niemand mordet.
Studiere sie in Gemeinschaft. Ob in einer Kleingruppe, im Sonntagsschulunterricht oder mit einem KI-Bibelchat-Tool wie Bible Expert (das über 1.200 Übersetzungen und Kommentare durchsucht) - die Gebote lohnen das sorgfältige Studium mit anderen. Frag, was deine eigene Gemeinde lehrt - und warum. Wie man die Bibel studiert
Vertraue auf Christus, nicht auf deine Leistung. Der Zweck dieser Bundesgesetze ist nicht, dich gut genug für Gott zu machen. Paulus schreibt: "Denn kein Mensch wird durch Werke des Gesetzes vor ihm gerecht sein; durch das Gesetz kommt nur Erkenntnis der Sünde" (Römer 3,20, Lutherbibel 2017). Die Gebote weisen dich auf deine Notwendigkeit der Gnade hin. Gnade ist das, was das Evangelium anbietet.
Häufig gestellte Fragen zu den Zehn Geboten
Was ist der Unterschied zwischen den Zehn Geboten in 2. Mose und 5. Mose?
Beide Passagen enthalten dieselben zehn Gebote, aber die Version in 5. Mose (5. Mose 5,6-21, Lutherbibel 2017) ist Moses Wiedererzählung für die zweite Generation der Israeliten kurz vor dem Einzug ins gelobte Land. Der wichtigste Textunterschied liegt im Sabbatgebot: 2. Mose begründet es mit der Schöpfung, 5. Mose mit der Erlösung aus Ägypten. Beide Begründungen gelten als maßgeblich und ergänzen sich.
Gelten die Zehn Gebote noch für Christen?
Die meisten christlichen Traditionen bejahen, dass der moralische Inhalt des Dekalogs weiterhin verbindlich ist - obwohl die Bundesgrundlage vom Mosaischen Gesetz zum Neuen Bund in Christus übergegangen ist. Die zeremonialen und bürgerlichen Teile des Mosaischen Gesetzes gelten allgemein als in Jesus erfüllt. Die Zehn Gebote werden als moralisches Gesetz, das Gottes Charakter widerspiegelt, von katholischer, protestantischer und orthodoxer Theologie bekräftigt, durch die Linse des Neuen Testaments verstanden.
Warum zählen Katholiken und Protestanten die Gebote unterschiedlich?
Der Bibeltext nummeriert die Gebote nicht - er listet sie auf. Die Frage der Einteilung erfordert Interpretation. Die katholische und lutherische Tradition (nach Augustinus) fasst die ersten beiden Gebote über Gott zusammen und teilt das letzte Gebot über das Begehren in zwei. Die reformierte protestantische Tradition (nach Origenes) behält das Bilderverbot als eigenständiges zweites Gebot. Der Inhalt ist identisch; nur das Ordnungsschema unterscheidet sich.
Was bedeutet "den Namen des Herrn missbrauchen" eigentlich?
Der hebräische Ausdruck lautet lo tissa et-shem YHWH Elohecha la-shav - "du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht für die Leere tragen". Er geht über die Verwendung von "Oh Gott" als Ausruf hinaus. Er umfasst falsches Schwören in Gottes Namen, das Beanspruchen göttlicher Autorität für menschliche Agenden und den achtlosen Umgang mit Gottes Namen. Das Gebot fordert Ehrerbietung und Integrität in jedem Anruf des Namens Gottes.
Hat Jesus die Zehn Gebote abgeschafft?
Nein. Jesus sagte ausdrücklich: "Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen" (Matthäus 5,17, Lutherbibel 2017). Er erhöhte den ethischen Anspruch mehrerer Gebote, indem er nicht nur das äußere Verhalten, sondern das innere Motiv ansprach. Der Dekalog ist unter dem Neuen Bund nicht aufgehoben - er wird durch den Geist vertieft und verinnerlicht (Jeremia 31,33; Römer 8,4, Lutherbibel 2017).
Was ist das erste Gebot, und warum ist es das wichtigste?
Das erste Gebot - "Du sollst keine anderen Götter neben mir haben" (2. Mose 20,3, Lutherbibel 2017) - ist grundlegend, weil jeder Götzendienst im Kern eine Frage fehlgeleiteter höchster Treue ist. Alle anderen Gebote fließen aus diesem einen. Jesus identifizierte die Gottesliebe als das größte Gebot für genau diesen Grund (Matthäus 22,37-38, Lutherbibel 2017).
Was bedeutet "begehren" im zehnten Gebot?
Das hebräische Wort chamad bedeutet intensiv begehren, sich danach sehnen oder Freude an der Vorstellung haben, etwas zu besitzen, das jemandem anderen gehört. Das zehnte Gebot ist einzigartig, weil es auf inneres Verlangen statt äußere Handlung zielt. Du kannst begehren, ohne dass es jemand anderes weiß. Deshalb sagt Paulus, Habgier sei Götzendienst (Kolosser 3,5, Lutherbibel 2017): Im Kern bedeutet Begehren, geschaffene Dinge so zu behandeln, als könnten sie das tiefste Verlangen stillen, das nur Gott erfüllen kann.
Wie kann ich die Zehn Gebote auswendig lernen?
Eine einfache Struktur hilft: Teile sie in zwei Gruppen - die ersten vier Gebote betreffen Gott (ausschließliche Anbetung, keine Bilder, Ehrerbietung gegenüber Gottes Namen, Sabbatruhe), und die letzten sechs betreffen Menschen (Eltern ehren, nicht töten, nicht ehebrechen, nicht stehlen, nicht lügen, nicht begehren). Diese Zwei-Tafeln-Struktur spiegelt Jesu Zusammenfassung des Gesetzes wider: Gott lieben und den Nächsten lieben.
Julien ist Bibelausbilderin und Autorin bei Bible Expert und setzt sich leidenschaftlich dafür ein, die Heilige Schrift für alle christlichen Traditionen zugänglich zu machen.